Rhetorik mal anders
Am Montag, den 31.01.11 kamen Volker
Herrmann (Lehrer am Gymnasium Bad Krozingen und Deutschreferent am RP)
und Matthias Weise (Lehrer am Grimmelshausen Gymnasium Offenburg) in
den Deutschkurs der 12. Klasse von Frau Rosenberger zu Besuch, um uns
die „praktische Rhetorik“ näher zu bringen. Als wir uns wie immer um
7.50 Uhr in der Schule trafen, waren wir alle sehr neugierig. Wir
fragten uns, was uns wohl erwarten würde, denn mit „praktischer
Rhetorik“ konnte zuerst einmal niemand wirklich etwas anfangen.
Sollten wir wirklich knappe fünf Stunden Gedichte aufsagen oder
Stilmittel lernen?
Wir wurden mit dem Eintreffen der
zwei Referenten sofort eines Besseren belehrt. Das Netzwerk Praktische
Rhetorik, das seit 2001 aktiv ist, will Schülern in kostenlosen
Seminaren die Kunst des Präsentierens beibringen. Außerdem gibt es
Tipps zur richtigen Redetechnik, mit der man sein Publikum z.B. in
einer GFS oder dem mündlichem Abitur sofort für sich gewinnt.
Los ging es mit Sprechübungen, die
das Ziel hatten, unsere Aussprache zu verbessern. Das war gar nicht
mal so leicht, vor allem als wir dann noch mit einem Korken im Mund
über den ganzen Schulhof brüllen mussten und wir uns teilweise das
Lachen nicht mehr unterdrücken konnten. Auch gelegentliche
„Ausrutscher“ bei Zungensprechern, die teilweise nicht ganz jugendfrei
waren, führten zu einer super Stimmung, die den ganzen Tag anhielt.
Doch nicht nur Sprechübungen waren
für uns vorbereitet. Wir hatten auch die Aufgabe, allein durch
Sprache, Mimik und Gestik ein völlig sinnfreies Gedicht „traurig“,
„verliebt“, „hoffnungsvoll“ bis hin zu „sauer“ vorzutragen. Der Rest
der Gruppe sollte dann das dargestellte Gefühl erraten.
Dann bekamen wir die Aufgabe,
treffende Vergleiche für verschiedene Adjektive zu finden. Es war
wirklich erstaunlich, dass in fast allen Fällen unsere Vergleiche
nahezu identisch oder zumindest aus demselben Bereich stammten. So
folgten z.B. auf „so professionell wie…“ hauptsächlich Namen von
Politikern. Ob diese jedoch wirklich professioneller als andere
Menschen sind, wage ich zu bezweifeln. Durch die Aufgabe sollte jedoch
für uns deutlich werden, dass es in den unterschiedlichsten Bereichen
Vergleiche und Metaphern gibt, die für die Mehrheit eines Publikums
allgemein und sofort verständlich sind.
Später sollten wir uns aus
verschiedenen Bildern auf dem Tageslichtprojektor eine eigene
Geschichte ausdenken und diese mit Bezug auf die Bilder vorstellen.
Dabei wurde besonderen Wert auf die Körperhaltung, Mimik, Blickkontakt
und eine deutliche Aussprache gelegt. Wirklich kreativ waren die
verschiedenen Geschichten, die von der Reise einer Flohfamilie bis hin
zur Herstellung des Schweizer Käses reichten.
Auch sog. „Ohröffner“, die für eine
gelungene Präsentation unabdingbar sind, wurden fleißig geprobt.
Auffällig war hierbei, dass spontane Ideen wirklich meist die Besten
sind und dass die Palette an unterschiedlichen Ohröffnern wirklich
riesig ist.
Zu guter Letzt musste jeder
von uns einen Gegenstand aus einem Sack ziehen und diesen unter
Berücksichtigung aller gelernter Aspekte präsentieren. Unter diesen
Gegenständen waren unter anderem ein aufblasbares Lichtschwert oder
eine Monstermaske.
Alle wurden am Ende kräftig gelobt,
denn die Übungen hatten sich eindeutig positiv auf unsere
Präsentationstechnik ausgewirkt. Ich bin mir sicher, dass sie uns in
Zukunft helfen werden, mit „positiver Stimmung“ in Präsentationen zu
gehen.
Um halb eins war das Seminar zu Ende
und wir waren froh, dass wir daran hatten teilnehmen dürfen. In dem
Sinne noch einmal vielen Dank an Volker Herrmann und Matthias Weise,
sowie unserer Deutschlehrerin Frau Rosenberger, die das alles für uns
organisiert hatte.
Kathrin Wahl, 12